5. Dezember

Martin Schmitts kleine Geschichte zum 5. Dezember
»Kometen im Visier«
In vergangener Zeit waren Kometen Botschafter für den Anbruch neuer Zeitalter. Vielleicht war ein solcher Komet unser Weihnachtsstern – vielleicht aber auch nicht, denn wir kennen aktuell keine Kometen, die bei der Geburt Christi hätten aufleuchten können.
Wie dem auch sei – Kometen sind für uns keine Boten mehr, die uns etwas ankündigen. Eher so etwas wie schmutzige Eisklumpen, die jedes Mal in Sonnennähe etwas abspecken.
Natürlich gehört so etwas erforscht. Und vor vielen Jahren, nämlich am 2. März 2004, schickte ein ehrgeiziges Team von Wissenschaftlern eine Sonde auf den Weg, die dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko hinterher jagen sollte. Die Aufholjagd dauerte über zehn Jahre und gipfelte darin, dass Rosetta das Begleitfahrzeug Philae erfolgreich auf dem Kometen »Tschuri« absetzen konnte – 510 Millionen Kilometer weit von der Erde entfernt. Da ein Funksignal in der Sekunde »nur« rund 300.000 km zurücklegt, kommen Meldungen vom aktuellen Geschehen rund 25 Minuten zu spät an –, und allfällig vorzunehmende Korrekturen sind ebenfalls noch einmal 25 Minuten später bei der Sonde.
Rosetta und Philae waren also bei etlichen Entscheidungen – und vor allem bei der Landung – auf sich selbst gestellt.
Das Landemodul war etwa so groß wie ein Kühlschrank, aber etwas schwerer – und kostete rund 200 Millionen Euro.
Das Erstaunliche jedoch war, dass ein technisches Gerät, das über zehn Jahre alt ist und mit Batterien, die auf fast minus 274° Grad tiefgekühlt waren, wieder zum Leben erweckt werden konnte, einen Landeplatz finden und dann während 56 Stunden wertvolle Daten zur Erde sendete.
Der Lander war mit zweierlei Batterien ausgerüstet – mit solchen, die sich endgültig verbrauchen, und mit anderen, die man mit Sonnenenergie wieder aufladen kann. Allerdings war das Gefährt in ein Schattenloch gefallen. Von den sechs geplanten Sonnenstunden waren es nur noch 1,5 pro Kometentag.
Nach zwei Tagen und acht Stunden war Schluss: Der Kontakt zu Philae war abgebrochen, die Batterien verbraucht.
Und was hat das alles mit Weihnachten zu tun?
Da ist einmal dieser Weihnachtsstern – eben vielleicht ein Komet –, der etwas Neues ankündigt.
Und da sind all die Bemühungen der Menschen, aus eigener Kraft und Anstrengung besser zu werden, göttlicher zu werden. Für mich sind die Religionen ehrliche Bestrebungen, Gott näher zu kommen. Und nun kommt plötzlich Gott zu uns.
»Das Wort wurde Fleisch« – so wie es uns die Bibel sagt. Der unerreichbare Gott, der sich in unvorstellbaren Sphären bewegt – Gott, den wir nur vom Wort her kennen –, er wird Fleisch. Er wird Mensch. Er wird menschlich. Wir erleben, wie er anderen Menschen begegnet, wie er Unmögliches möglich macht. Auch das eigentlich Unmögliche, nämlich Gott zu begegnen.
Die Bestrebungen, göttlicher zu werden, lassen uns die Energie ausgehen, wir werden vorzeitig scheitern. Gott weiß um unser Unvermögen und begegnet uns selbst in Jesus Christus. Gott weiß, dass unsere Batterien sich verbrauchen, darum bietet er uns seine Kraftquelle an, die uns über unseren Horizont hinausführt.
Paulus schreibt: »Ist jemand in Christus – so ist er neu« und: »Wenn auch unser äußerer Mensch zerstört wird, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.«
Wir werden alt und müde, unser Herz wird eines Tages stehen bleiben, unsere Bewusstseinspumpe wird aufhören, Bewusstsein zu pumpen.
Doch da ist Gott, der sich in Jesus Christus zu den Menschen neigt und uns zur Quelle des ewigen Lebens wird.
Jesus verspricht uns ja: »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.« (Joh. 11,25)
Wenn Philae nicht in den Schatten gefallen wäre und sich noch mehr hätte auf die Sonne ausrichten können, so wäre sie nicht vorzeitig ermüdet und ermattet. Der Blick auf die Sonne hätte ihr täglich neue Kraft eingehaucht.
Weihnachten. In all dem äußerlichen Rummel können wir uns umdrehen und uns Gottes Licht zuwenden – um Kraft für heute und für die Ewigkeit zu tanken.
(Thomas Weinemann)